Mittwoch, 13. Mai 2015

DIY Industrial Style Nachttisch aus Weinkiste und integrierter Touch Sensor Eisenrohr Lampe

Weinkisten und Temperguss Eisenrohre gehören zu meinen liebsten Baumaterialien. Durch den einzigartigen Charakter alter Gusseisenrohre in Verbindung mit altem Holz kann man einmalige Designstücke erstellen. Da ich in der Vergangenheit mehrfach auf Elemente und Machart meiner Werke angesprochen wurde, habe ich beschlossen meine Fertigungsschritte ausführlich zu dokumentieren. In diesem Eintrag erfahrt ihr wie man einzigartige Nachttische im Industrial Style à la DIY fertigen kann!

Bauanleitung Inhalt

  • 01 - Die richtige Weinkiste
  • 02 - Die Oberfläche
  • 03 - Anbringen der Holzleisten
  • 04 - Anbringen der Gusseisen Muffen
  • 05 - Gusseisenlampe mit Schirm aus alter Blechschale
  • 06 - Fertige Rohrlampe
  • 07 - Installation des Touch Sensorschalters
  • 08 - Gummikabel mit Gewebeschlauch und Retro Stecker
  • 09 - Rückwand einsetzen
  • 10 - Zwischenboden einsetzen
  • 11 - Streichen des fertigen Nachttisches nach Belieben
  • 12 - Fertig!
  • 13 - Preisliste

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1) Die richtige Weinkiste

Abbildung 1 - Weinkiste naturbelassen

Als Basis für unseren Nachttisch habe ich eine relativ neue, unbehandelte Weinkiste aus Fichtenholz genommen. Dies ist von Vorteil, da im Verlauf weitere Anbauteile aus Fichte folgen werden und beim abschließenden Lasieren somit auch ein einheitlicher Farbton entsteht. Würde die Kiste vorbehandelt sein, wären die nachträglich angebauten Teile zu hell.


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2) Die Oberfläche

Abbildung 2 - Weinkiste Oberseite
Zuerst habe ich mir eine geeignete Oberfläche für den späteren Nachttisch überlegt. Da der Ist-Zustand der Kiste aufgrund der Zwischenräume offensichtlich nicht sonderlich geeignet für einen Nachttisch erscheint, muss eine geschlossene Holzoberfläche hergestellt werden. 

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3) Anbringen der Holzleisten

Abbildung 3 - Holzleisten für Tischplatte

Um das eigentliche Aussehen der Kiste nicht zu stark zu verfremden, habe ich Holzleisten besorgt, die in etwa die gleiche Stärke und Breite wie die bereits vorhandenen Holzleisten der Kiste haben. Die Tackernadeln auf der Oberfläche (siehe Abbildung 2) habe ich entfernt und mit kleinen Schrauben auf der Unterseite der Kiste neu verschraubt. Dies habe ich auch mit den anderen Holzleisten gemacht und vorher verleimt. Diese Prozedur ist nötig, da Schrauben die Konstruktion stabiler macht, als mit den bereits verbauten Tackernadeln.

Die letzte Holzleiste musste von der Breite angepasst werden. Da die Leisten jedoch lediglich eine Stärke von 10mm haben, geht dies ganz gut mit einem scharfen Teppichmesser. Anschließend wird das Leistenstück eingeklebt und mit Schraubzwingen fixiert.


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4) Anbringen der Gusseisen Muffen

Abbildung 4 - Forstnerbohrer, Temprgussmuffen mit Rohrdoppelnippel, Anbringung der Muffe in der Weinkiste 

Nun widmen wir uns erstmals dem Gusseisen: Ich habe 3/4 Zoll Rohre verwendet, da 1/2 in Bezug auf den Lampenschirm doch etwas mickrig wirkte. 

Zu allererst wird mit einem Forstnerbohrer ein Loch in die Tischplatte gebohrt. Achtet darauf, dass ihr nicht zu weit hinten ansetzt, da später noch etwas Platz für die Gusseisen Muffe bleiben muss (Abbildung 5).
Damit die Muffe fest auf der Tischplatte sitzt, braucht ihr zwei 3/4 Zoll Muffen und ein Rohrdoppelnippel, der so lang sein muss, dass ihr von oben und unten die Muffen verschrauben könnt und der Doppelnippel in der Mitte klemmt. Wählt entsprechend auch den Forstnerbohrer so aus, dass das Loch zwar groß genug ist, damit lediglich der Rohrdoppelnippel durchpasst, jedoch nicht die Muffen!


Zuerst wir der Rohrdoppelnippel ein kleines Stück in die Muffe geschraubt. Danach wird die Konstruktion von unten durch das vorher gebohrte Loch gesteckt. Ein Stück Gewinde sollte nun oben herausschauen. Nun wird die zweite Muffe von oben gegengeschraubt bis sich eine feste Verbindung ergibt.

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5) Gusseisenlampe mit Schirm aus alter Blechschale

Abbildung 5 - Blechschale als Lampenschirm
Kommen wir nun zum Lampenschirm. Nach langer Suche und Empörung beim Betrachten der Preise von Emaille Lampenschirmen, habe ich mich für Blechschalen entschieden, die ich kurze Hand zu Lampenschirmen umfunktioniert habe. Einfach mit der Stichsäge ein Loch gesägt und schon passt der Gewindeflansch samt Lampenfassung hinein. Die Fassung habe ich in den Gewindeflansch gesteckt und diesen dann mit samt Kabel durch das Loch der Blechschale geschoben und mit dem Gusseisenrohrwinkel verschraubt. 
Damit die Schale nicht vom Gewinde rutscht, habe ich noch eine Gummidichtung an der Unterseite der Blechschüssel angebracht (siehe Bild 9). 

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  6) Fertige Rohrlampe 

Abbildung 6 - Temperguss Rohr Lampe mit Lampenschirm
Nun muss das Kabel noch durch die anderen Gusseisenrohr Teile gefädelt werden. Ich rate hier immer, dass ihr die Gusseisenteile Stück für Stück anschraubt und immer darauf achtet, dass sich das Kabel nicht zu stark mitdreht und evtl. porös wird oder sich die Kabeladern aus der Lampenfassung lösen. Für den Hals der Gusseisenlampe habe ich ein Rohr mit 30cm Länge gewählt. Ihr könnt bei der Höhe natürlich frei entscheiden, jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein längeres Rohr im Verhältnis zur Kiste nicht mehr so schön aussieht. Wählt Ihr auf der anderen Seite das Rohr zu kurz,  kann es sein, dass Ihr nichts mehr auf die Tischplatte stellen könnt. Alle Gusseisenteile haben einen Durchmesser von 3/4 Zoll. Der Anschlusswinkel zum Lampenschirm ist ein Reduzierwinkel von 3/4 auf 1 1/4 Zoll.
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7) Installation des Sensorschalters

Abbildung 7 - Temperguss Rohrlampe mit Touch Sensorschalter
Ich habe die Lampe mit einem Touch- Sensorschalter ausgestattet, der bei Berührung des Gusseisens das Licht in drei verschiedenen Helligkeitsstufen schaltet. Die Sensoreinheit verfügt über ein Kabel welches Berührungen erkennt. Dieses habe ich mit der Gusseisenmuffe unterhalb der Tischplatte verbunden. 
Achtung: 
Bitte verkabelt den Sensorkasten nicht, wenn Ihr keine Ahnung von Elektronik habt und lasst euch ggf. von einer ausgebildeten Person helfen.

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8) Gummikabel mit Gewebeschlauch und Retro Stecker


Abbildung 8 - Gummikabel mit Gewebeschlauch und Retro Stecker

Auch bei der Fertigung des Anschlusskabels sollten nur Personen tätig werden, die Ahnung von der Materie haben. Ich habe mich beim Kabel für ein Modell mit Gummiummantelung entschieden, da es sehr viel wertiger als herkömmliche Kabel wirkt. Des weiteren habe ich die Erfahrung gemacht, dass mit Gummikabeln nicht so viel Kabelsalat entsteht. Für die Ummantelung des Kabels habe ich Gewebeschlauch genommen um ein schönes Retro Design zu erzeugen. Passend dazu habe ich mir Retro Stecker aus Bakelit bestellt. Das Kabel wir dann durch eine einfache Bohrung an der Rückseite der Kiste gesteckt und von innen mit dem Touch- Sensorschalter verkabelt.

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9) Rückwand einsetzen

Abbildung 9 - Rückwand in die Weinkiste einsetzen
Damit die Technik nicht sichbar ist, habe ich die Kiste von innen noch mit einer Holzplatte verkleidet. Beim Zuschnitt auf jeden Fall darauf achten, dass die Kiste an mehreren Stellen gemessen wird, da Weinkisten selten 100%ig symmetrisch sind.
Die Holzplatte habe ich dann von außen mit Schmuckschrauben befestigt. 
Achtung: Auf keinen Fall die Holzplatte einkleben, da es sein kann, dass man irgendwann vielleicht noch einmal  Zugang zur innen liegenden Technik haben muss!

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10) Zwischenboden einsetzen und fertig!

Abbildung 10 - Weinkiste Zwischenboden Ablage
Nun kommen wir zur Zwischenablage. Da die Oberfläche der Weinkiste nicht allzu groß ist, bietet es sich auf jeden Fall an, noch weitere Ablagemöglichkeiten zu schaffen. Ich habe hierzu baugleiche  Hölzer genommen, die ich auch für die Tischplatte verwendet habe (38x10mm). Das Zwischenboard habe ich vom Stil her wie die Weinkiste gefertigt, damit der eigentliche Charakter der Kiste nicht allzu sehr verfremdet wird. Das Board habe ich mittig angebracht.
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11) Streichen des fertigen Nachttisches nach Belieben!

Abbildung 11 - Weinkiste nach Belieben streichen (hier Palisander Holzlasur)

Für den Anstrich habe ich Holzschutzlasur in der Farbe "Palisander" gewählt. Lasuren sind im Gegensatz zu Lacken gut geeignet, da die unsprüngliche Holzstruktur erhalten bleibt. Auch muss die Lasur nicht 100% gleichmäßig aufgetragen werden, da durch entstehende Unregelmäßigkeiten ein gewisser "Shabby" Look entsteht. Zusätzlich habe ich die Oberfläche nach dem Trocknen noch etwas angeschliffen, damit die Kiste "benutzt" aussieht. Anschließend habe ich die Kiste noch mit Parkettlack versiegelt. Dies hat den Vorteil, dass der Nachttisch abwaschbar ist und die Unterfarbe noch etwas nachdunkelt. Da viele meiner Möbel in "scharzbraun" gehalten sind, fügen sich so die Nachttische perfekt in die Umgebung ein.

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12) Fertig!!!
Abbildung 12 - Fertiger Weinkistennachttisch
Abbildung 12 zeigt die fertigen Nachttische (ohne Parkettlackschicht). Durch Berühren der Gusseisens (oder auch des Lamenschirms lassen sich durch die Touch Einheit drei Helligkeitsstufen der Lampe einstellen (Ein zusätzlicher Lichtschalter würde die Optik stören wie ich finde).  Derzeit habe ich noch eine 25 Watt Glühfadenlampe verbaut, jedoch soll es auf Dauer eine LED Glühbirne werden (Achtung: Unbedingt darauf achten, dass die LED dimmbar ist!)

Youtube Video zum Touch-Sensorschalter folgt!


Hier noch die Maße des fertigen Nachttisches:
    • Gesamthöhe: 83,5cm
    • Weinkiste (HXBXT): 47,5x30x24,5cm
    • Höhe der Gusseisen Lampe: 36cm
    • Durchmesser Lampenschirm: 17,5cm

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13) Preisliste
Abbildung 13 - Kalkulatorische Kosten für einen Nachtisch
Die angegebene Preisliste bezieht sich auf die, von mir verwendeten Materialien für EINEN Nachttisch. Ich für meinen Teil hatte sehr viele Materialien schon da, bzw. habe den Nachttisch aus alten, ausgedienten Sachen gefertigt, die ansonsten eh auf den Müll gewandert wären. Solltet Ihr euch dazu entschließen einen Nachttisch zu bauen und alle Teile zu neu zu kaufen, würden in etwa die angegeben Kosten in Abbildung 13 auf euch zu kommen.


Weitere Bilder



Solltet Ihr Anregungen oder Vorschläge für weitere Projekte haben: immer her damit! 
Viel Spaß beim Basteln :)